Bundeswehrkonzert in Oldenburg zum Desaster gemacht

In Gedenken an all jene, die von der nationalsozialistischen Herrschaft in Konzentrationslagern, auf der Straße, in den Kriegsgefangenenlagern oder von der Wehrmacht ermordet worden sind. Kein Vergeben, kein Vergessen!

Wir haben heute die militaristische und geschichtsrevisionistische Botschaft des Bundeswehrkonzerts im Oldenburger Schlossgarten übertönt und massiv gestört. Das große Polizeiaufgebot von vier Hundertschaften Bereitschaftspolizei, der Hundestaffel und Feldjägern konnte nicht verhindern, dass der vielfältige Widerstand diesen Tag für die Bundeswehr und die anwesenden Militarist_innen zum Desaster machte. Sambamusik, kämpferische Chormusik, Tröten, Gestank, Boote, Sabotageaktionen und Rufe machten das Konzert ungenießbar – viele der 200-300 anwesenden Militarist_innen gingen extrem genervt schon während des Konzerts. Zur gleichen Zeit gab es eine Gegenkundgebung am Pulvertum, die sich im Anschluss in eine ausgelassene Demo mit 150 Leuten verwandelte.

Das heutige Bundeswehrkonzert im Schlossgarten sollte die Patenschaft der Stadt Oldenburg mit den örtlichen Bundeswehreinheiten vertiefen, um den Oldenburger_innen den Militarismus und die Kriege der BRD näher zu bringen. Die Kundgebung in der Gartenstraße konnte nicht wie geplant stattfinden, da die Polizei diese komplett abgesperrt hatte, allen Eintrudelnden Platzverweise erteilte und den Lautsprecherwagen mit fadenscheinigen Argumenten aufhielt. Davon ließen sich die insgesamt mehr als 200 Antimilitarist_innen und Antifaschist_innen aber nicht aufhalten. Die Sambagruppe „Rhythms of Resistance“ ließ die Marschmusik vom anderen Ufer aus untergehen. Nach einer halben Stunde rhythmischen Superlärms wurde sie – teilweise brutal – des Platzes verwiesen. Die öffentliche Chorprobe wurde ebenfalls rüde unterbrochen, nicht jedoch ohne ihren Unmut über Militarismus und Geschichtsrevisionismus singend kundzutun. Aus Tretbooten vom Wasser aus – unerreichbar für die offensichtlich genervte Polizei – wurde das Konzert durch Tröten massiv belästigt. Als sich dann auch noch ein Aasgeruch auf der Konzertwiese ausbreitete und nicht nur die Rede von Oberbürgermeister Schwandner durch gut getimetes Steckerziehen unterbrochen wurde, wurde es für die Konzertbesucher_innen unerträglich, die daraufhin zahlreich das Konzert vorzeitig verließen. Aus dem Publikum heraus wurden anlässlich des 8. Mai antifaschistische Parolen gerufen, wie beispielsweise „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“. Diese wurden von den Konzertbesucher_innen mit Hetze beantwortet. Antimilitarist_innen gehörten ihrer Meinung nach „erschossen“ oder „ins Arbeitslager“. Das Konzert konnte zu keiner Zeit störungsfrei ablaufen. Eine Gegendemonstrantin sagte dazu: „Die Protestaktionen waren ein voller Erfolg. Die Vielfalt des Widerstands hat das Konzert zum Desaster gemacht.“ Anschließend gingen 150 Antimilitarist_innen und Antifaschist_innen als Demonstration zum autonomen Zentrum Alhambra.

Die Auftritte der Bundeswehr im Schlossgarten fanden bisher jährlich statt und passen perfekt in die aggressive Öffentlichkeitsarbeit einer Armee, die um jeden Preis – und heute offensichtlich vergeblich – um Anerkennung und Legitimation ringt. Der diesjährige Auftritt zeugte zusätzlich von einem erschreckenden Umgang mit deutscher Geschichte. Der 8. Mai scheint für die Veranstalter_innen und die Bundeswehr ein Tag wie jeder andere zu sein. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ist er in der Bundesrepublik kein Feiertag und im öffentlichen Bewusstsein kaum oder gar nicht präsent. Für uns ist der 8. Mai der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Am 8. Mai 1945 zwangen die Alliierten Nazi-Deutschland zur bedingungslosen Kapitulation. Das bedeutete das Ende des von Deutschland begonnenen Weltkriegs und das Ende der industriellen Massenvernichtung von Millionen Jüdinnen und Juden, von Sinti und Roma, von Menschen mit Behinderung, von Schwarzen, von Homosexuellen, von sogenannten Asozialen, von politischen Gefangenen. Umso empörter sind wir, dass die Bundeswehr und die Stadt Oldenburg sich erdreistet haben, diesen Tag für eine Propagandaveranstaltung nutzen zu wollen.

Für heute und die Zukunft heißt das: Die zivil-militärische Patenschaft, die durch das Konzert gefördert werden sollte, gilt es nicht zu pflegen, sondern zu beenden und die sogenannten „Bürger in Uniform“ als Mörder_innen zu enttarnen. Wir haben keine Lust ein Teil des neuen deutschen Großmachtstrebens zu sein und kämpfen für eine solidarische Perspektive jenseits von Kapitalismus, Nation, Patriarchat, Rassismus und Krieg.